Projekte, Ideen für Kolloquien
(⬇ scrollen!)
Metamorphosen

Aber nicht nur bei Ovid!
>>> Anregungen hier
Intermedialität: Das Bild deutet den Text — Der Text erklärt das Bild
In etlichen Gattungen kommen beide Medien simultan vor und unterstützen sich gegenseitig.

Eine Blütenlese steht zunächst einmal hier.
Karikaturen — Furor <> Humor
Erste Überlegungen dazu auf dieser Seite

Thomas Theodor Heine, in »Simplicissimus« 1901 [?]
Darstellung des Nicht-Darstellbaren
Um dem dritten Gebot (Exodus 20,7; vgl. Lev. 24,16) nicht zuwiderzuhandeln, werden im Judentum Ersatzwörter für das im Bibeltext geschriebene JHWH verwendet. Früh schon beispielsweise Adonai ("mein Herr"); vgl. > https://www.die-bibel.de/stichwort/10865
Theologische Übelregungen führen sodann dazu, dass eine Creatur nichts über den Creator aussagen kann.
Augustinus (354–430) :
Ac per hoc ne ineffabilis quidem dicendus est Deus, quia et hoc cum dicitur, aliquid dicitur.
≈ Und daher darf Gott nicht einmal der Unaussprechliche genannt werden, weil ja doch schon dadurch, daß er nur so genannt wird, etwas von ihm ausgesagt wird.
(doctrina christiana I,vi,13)
Thomas von Aquin (1225/6 – 1274)
illud est ultimum cognitionis humanae de Deo quod sciat se Deum nescire, ...
≈ Das ist das Äusserste menschlicher Gotterkennens: zu wissen, dass wir Gott nicht kennen.
(De potentia, q. 7 a. 5 ad 14)
Angelus Silesius [Johannes Scheffler 1624–1677]:
GOtt ist ein lauter nichts / Jhn rührt kein Nun noch Hier:
Je mehr du nach Jhm greifst / je mehr entwird Er dir.
(Cherubinischer Wandersmann [1675] I. 25)
Mensch so du wilt das seyn der Ewigkeit außsprechen/
So mustu dich zuvor deß Redens gantz entbrechen.
(Andertes Buch, 68)
Dionysius Areopagita (Schriften datierbar auf ca. 485–515) sieht die symbolische Umsetzung als eine Möglichkeit, über das Göttliche zu sprechen:
Es ist gar nicht möglich, dass der urgöttliche Strahl in uns hereinleuchte, es sei denn, dass er durch die bunte Fülle der heiligen Umhüllungen, welche einen höhern Sinn enthalten, verdeckt und in väterlicher Fürsorge unseren Verhältnissen naturgemäß und entsprechend angepasst sei. (De caelesti hierarchia I, ¶ 2)
Jetzt geschieht [die Erkenntnis] in der uns entsprechenden Weise durch die heiligen Schleier, indem die menschenfreundliche Güte der Schriften (Offenbarungen) und hierarchischen Überlieferungen sich bedient, das Geistige im Sinnlichen und das Überseiende im Seienden verhüllt und Gestalt und Bild um das legt, was weder Gestalt noch Bild hat, und die über Natur und Konfiguration erhabene Einfachheit durch die bunte Mannigfaltigkeit der Teilsymbole vervielfältigt und ausgestaltet. (De divinis nominibus I, ¶ 4)
Nicht bzw. nur symbolische Darstellbares gibt es aber, abgesehen von dem weiten Gebiet der "apophatischen" Theologie, auch in anderen Bereichen.
Einige Anregungen stehen bereits hier:
Gottesbilder — Seelenbilder — geheime Botschaften — Zeit — Diabolisches — Tabuisiertes — usw. —
Techniken: Projektionen — Personifikationen — usw.
Nostalgie
Entscheid- und Steuerungsprämissen im Vorfeld einer symbolischen Auslegung
Immer wieder (vgl. die Zusammenstellung hier) haben wir
• die Leistungen von "Signifiants" untersucht: der Raum, Kleider, der Leib, der Spiegel, das Buch usw;
• oder wir haben gefragt, wie ein "Signifié" symbolisch repräsentiert werden kann: Darstellung von Identität, von Emotionen, von sozialen Gruppen;
• einige Kolloquien führten zu theoretischen Aspekten: Missgeschicke beim Symbolgebrauch, Projektionen, Allegorie.
Aufgrund von welchem Vorverständnis* wird etwas überhaupt als Symbol wahrgenommen – und dann interpretiert – oder als nicht-symbolisch aufgefasst?
*) Begriff der Hermeneutik, Vgl. H.G-Gadamer, Wahrheit und Methode II,1,a) (3.Aufl. 1972, S. 250ff.)
Anders gesagt: Was sind die "Trigger" (oder: was ist ein "élément déclencheur") / was sind die "Inhibitoren" einer Deutung? Was veranlasst bzw. was verhindert eine symbolische Deutung?
Beispiele: Soziokulturelle Auslöser bzw. Blockaden? "Tiefenpsychologisch" angelegte Auslöser (vgl. C.G.Jungs Archetypen)? Durch Bildung antrainierte Auslöser bzw. Blockaden? Von den Erzeugern geforderte Blockaden oder nahegelegte Auslöser?
Deux erreurs: 1° prendre tout littéralement; 2° prendre tout spirituellement. (Blaise PASCAL, Pensées, Nr. 648 [Brunschvicg])
Was geschieht bei der Ablehnung des symbolischen Verstehens? Und was, wenn man alles als symbolisch auffasst?
Das Wort Symbol haben wie im Wettstreit heute alle sich zum Gegenstande des Gebrauchs genommen, die aus der Mitte unserer Landsleute sich nur in der Anwendung dieses einen Wortes klug vorkommen.
Friedrich Creuzer 1808
Alles was geschieht ist Symbol, und, indem es vollkommen sich selbst darstellt, deutet es auf das Uebrige. In dieser Betrachtung scheint mir die höchste Anmaßung und die höchste Bescheidenheit zu liegen.
Goethe an Carl Ernst Schubarth 2. April 1818
> http://www.zeno.org/Literatur/M/Goethe,+Johann+Wolfgang/Briefe/1818
Das soll nicht im luftleeren Raum, sondern anhand konkreter Beispiele diskutiert werden. Nach gewalter Diskussion wissen wir vielleicht mehr über dieses seltsame Phänomen namens "Symbol".
- Ursprung der Fundamentalismen aller Schriftreligionen und Folgen für die Gläubigen
- Programm-Musik vs. Ornament (Hanslick: Musik besteht aus tönend bewegten Formen.)
- Wörtlichnehmen von Mythen: Was für ein Fisch verschlang den Jonas? Zu welcher Jahreszeit begann die Sintflut? (Was ist mit der Beantwortung dieser Fragen gewonnen?)
- Allegorische Auslegung antiker Mythen, der Bibel sowie moderner literar. Texte, von Märchen (z.B. Eugen Drewermann)
- Traumdeutung von Artemidor bis Freud – Chiromantie – Mantik – Astrologie
- Ein Testfall wäre die "gegenstandslose" Kunst, z.B. Kasimir Malevitsch, Schwarzes Quadrat (1915) oder Barnett Newman, Vir Heroicus Sublimis (1950): Welche Deutungen werden damit provoziert? Sind das Projektionen (vgl. unsere Tagung 2010) oder kann man sie als eine Art von Pareidolie begreifen?
Einige Texte dazu:
• Auslöser für eine symbolische/allegorische Deutung ist die Schwerverständlichkeit einer Textstelle: Obscurus locus est, et acrius attendemus (Hieronymus, Migne PL 26,407A).
Studien zu diesem Thema:
Julia Frick, Pluralisierung von Sinn. Obscuritas als textinterpretative Kategorie in Kommentar und Übersetzung der Frühen Neuzeit
Carmen Cardelle de Hartmann, Obscuritas bei Augustin
beides in: Wolfram-Studien XXV, hg. Susanne Köbele / Julia Frick, Berlin, E.Schmidt-Verlag 2018.
• Der Text der Bibel ist nie obskur.
Luther: per sese certissima, facillima, apertissima, sui ipsius interpres (WA, 7. Band, Schriften 1520/21).
• Für (profane) Gesetzestexte gilt nach alter Auffassung:
Interpretatio est, quae exponit id, quod dictum vel scriptum est aliis verbis, quae idem valeant.(Interpretation bedeutet die Erklärung von Gesagtem oder Geschriebenem durch andere Worte, welche das Gleiche bedeuten)
Simplex interpretatio est adhibenda, si ex verbis legis tam aperta sit legislatoris voluntas, ut de ea dubitari non possit. (Die einfache Interpretation ist anzuwenden, wenn aus den Worten des Gesetzes der Wille des Gesetzgebers so deutlich hervorgeht, dass darüber nicht gezweifelt werden kann.)
Beide Zitate aus: Clausdieter Schott, "Interpretatio cessat in claris". Auslegungsfähigkeit und Auslegungsbedürftigkeit in der juristischen Hermeneutik. In: "Theorie der Interpretation vom Humanismus bis zur Romantik – Rechtswissenschaft, Philosophie, Theologie", hg. von Jan Schröder, Stuttgart 2001, S. 155–189.
• Bei den rabbinischen Auslegungsregeln (Middot) gibt es eine zum Thema der allegorischen Exegese (Maschal). Hier wird strikt verboten, Bibeltexte, welche Gebote und Gesetze formulieren, allegorisch auszulegen.
In den 32 Interpretationsregeln des R. Eliezer ben Jose ha-Gelili [2. Jh. CE] steht in Nr. 26: "This method can only be used in interpreting passages of the Scriptures which do not express laws, but in those passages of the Scripture that contain laws and commandments you cannot interpret the words in a figurative and allegorical sense, …"
Jacob Z. Lauterpach, The Ancient Jewish Allegorists in Talmud and Midrash, in: The Jewish Quarterly Review , Jan., 1911, Vol. 1, No. 3 (Jan., 1911), pp. 291–333 (Zitat auf S. 329).
Handwerk, Technik, Maschinen als Modelle für Lebendiges
Beispiele: Unkraut jäten für Aszese • Iatromechanik • die mystische Mühle • Wahlverwandtschaften • der rasende Webstuhl der Zeit • Überdruckventil der Emotionen • Hardware/Software im Gehirn • Gleichschaltung • ...
Psychoanalytische Deutungen von Narrativen
Anregungen (chronologisch):
- Sigmund FREUD, Der Wahn und die Träume in W. Jensens Gradiva, Leipzig und Wien: Heller 1907.
- Carl Gustav JUNG, Psychologie und Alchimie, Zürich: Rascher 1944.
- Linda FIERZ-DAVID, Der Liebestraum des Poliphilo. Ein Beitrag zur Psychologie der Renaissance und der Moderne, Zürich: Rhein-Verlag 1947. [Zusammenfassung und Kommentar der »Hypnerotomachia« im Lichte der Psychologie von C.G.Jung]
- Antoinette FIERZ-MONNIER, Initiation und Wandlung, Zürcher Diss., Bern 1951. [zum Artusroman aus Sicht von C.G.Jung]
- Hedwig VON BEIT, Symbolik des Märchens, Bern: Francke 1952.
- Emma JUNG / Marie-Louise VON FRANZ, Die Graalslegende in psychologischer Sicht, Zürich 1960.
- Eugen DREWERMANN, Tiefenpsychologie und Exegese, Olten: Walter (2 Bände) 1984/85.
- Aron Ronald BODENHEIMER, Der Waldgänger. Wenn die Melancholie dichtet, Wien: Passagen-Verlag 1993.
- Brigitte BOOTHE, Das Narrativ. Biografisches Erzählen im psychotherapeutischen Prozess, Stuttgart: Schattauer 2010.
- Peter VON MATT, Literaturwissenschaft und Psychoanalyse, Freiburg/Br.: Rombach 1972.
- Freiburger Arbeitskreis Literatur und Psychoanalyse: http://www.litpsych.uni-freiburg.de/wp/
- Frauke Berndt, Eckart Goebel (Hgg.), Handbuch Literatur & Psychoanalyse, Handbücher zur kulturwissenschaftlichen Philologie 5, De Gruyter 2017.
Exkursionen
Embleme der Wallfahrtskirche Hergiswald. Link
Die romanische Bilderdecke der Kirche St. Martin in Zillis. Link
Die Felszeichnungen von Crap Carschenna. Link
Führung durch das Money Museum (Zürich) Link
Im Aufbau … Holzschnitt des Petrarkameisters, aus: Officia M. T. C. Ein Buch So Marcus Tullius Cicero der Römer zu seynem Sune Marco. Von den tugentsamen ämptern vnd zugehörungen eynes wol vnd rechtlebenden Menschen ..., Augspurg: Steyner, 1531, fol. XLVIverso
|